Meine Objektkunst entsteht aus Karton, Pulpe und einfachen Fundmaterialien. Pulpe ist ein Papierbrei, den ich Schicht für Schicht auf ein stabiles Gerüst auftrage und von Hand modelliere. Daraus forme ich leichte, plastische Figuren. Besonders Spaß macht es mir, Schicht für Schicht aus ungenutzten Materialien ein neues Kunstobjekt zu gestalten. In diesem Beitrag zeige ich, wie ich arbeite und warum mich dabei meine frühere Erfahrung als Archäologin begleitet.
Im Grunde ist es wie Upcycling: Materialien wie zum Beispiel Kartons, Papier, Tannenzapfen, Joghurtbecher oder Pastellkreiden bekommen ein neues Leben. Damit gestalte ich Figuren und manche davon erzählen auch eine Geschichte.
Warum inspiriert mich Olympe de Gouges?
Im Mittelpunkt steht die Pulp-Art. Aus selbst hergestelltem Papierbrei forme ich plastische Figuren. Begonnen habe ich dabei mit der Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Olympe de Gouges im Zeitalter der Aufklärung. Während der Französischen Revolution hat sie sich für die Menschenrechte der Frau und für die Bürgerinnenrechte eingesetzt. Das gefiel der damaligen männerdominierten Terrorherrschaft nicht: Olympe de Gouges wurde 1793 während der Französischen Revolution hingerichtet. Ich habe viel über ihr Schicksal gelesen, und es inspirierte mich, sie zu malen. Mehr noch: Ich kreierte meine eigene Olympe-de-Gouges-Pulp-Art-Figur aus grobem Pulpebrei und Pastellkreiden. Die Pastellkreiden symbolisieren ihre schriftstellerischen Fähigkeiten. Die Figur zu Olympe de Gouges verbindet Materialexperiment, historische Inspiration und meine eigene künstlerische Deutung.

Sie trägt selbstbewusst einen Zylinder – zur damaligen Zeit eine reine Männerdomäne. Das Tragen eines Zylinders durch eine Frau steht für Selbstbewusstsein, Stärke, Unabhängigkeit und das Aufbrechen traditioneller Geschlechterrollen. Deshalb verpasste ich ihr einen Zylinder und nicht die Haube, welche im 18. Jahrhundert die damalige Kopfbedeckung der bürgerlichen Frauen war.
Warum eignet sich mein Schrebergarten als Ort für Pulp-Art?
Als Kreativraum ist hierbei mein Schrebergarten und meine Laube hervorragend geeignet. Hier produziere ich mit wenigen Mitteln den Pulpebrei, lagere die Materialien und habe genügend Platz für das Trocknen der Plastiken.

Die Figuren entstehen zunächst aus einem stabilen Gerüst aus einem Standfuß wie z. B. Kerzenständer oder Metallkorb. Mit Zeitungspapier und Kreppband forme ich Kopf, Oberteile und Arme. Oder gestalte daraus Fantasie-Gebilde. Alles wird Schritt für Schritt aufgebaut. Anschließend folgt der eigentliche Gestaltungsprozess: Mehrere Schichten Papierbrei werden von Hand aufgetragen und modelliert. Nach einer langen Trocknungszeit werden die Oberflächen weiter ausgearbeitet, bevor die Plastiken ihre endgültige Bemalung erhalten.
So entstehen Unikate zum Beispiel mit einer Größe von etwa 50 Zentimetern. Die Technik begeistert mich immer wieder von Neuem. Aus Karton entstehen Figuren, die schwer wirken und trotzdem sehr leicht sind.
Warum erinnert mich meine Kunst an Archäologie?
Als Archäologin habe ich gelernt, in Schichten zu denken. Ich legte nicht nur verborgene Funde frei, sondern setzte zerbrochene Keramikgefäße und Skelette wieder zu einem Ganzen zusammen. Diese Erfahrung prägt bis heute meine künstlerische Arbeit. Auch meine Figuren entstehen nicht auf einmal, sondern wachsen langsam – Schicht für Schicht, Form für Form. Farbe für Farbe.

Der Weg zur Pulp-Art-Figur
Das Gerüst beginnt mit einem stabilen Standfuß zum Beispiel aus einem Metallkorb. Diesen mit Zeitungspapier umwickeln und polstern, danach mit Kreppband befestigen.

Oberteile, Arme und Kopf mit Zeitungspapier und Kreppband formen. Wo es passt, verwende ich auch Materialien wie Joghurtbecher oder auch Tücher für die Formgebung. Dann wieder mit Kreppband stabilisieren.

Jetzt formte ich mit dem Kartonbrei die Figur. Schicht für Schicht wächst die Oberfläche der Figur. Als wichtiges Gestaltungselement habe ich bei meiner Figur noch Pastellkreiden in den feuchten Brei eingearbeitet.

Nach dem Trocknen zeigt sich bereits der Charakter der Skulptur. Meine Figur zur Olympe de Gouges ist noch nicht fertig. Ich bin noch beim Schichten. Das fertige Kunstwerk zeige ich dann hier an dieser Stelle.

Objektkunst aus Pulpe: Eine Figur wächst Schicht für Schicht. Kurzes Video, wie ich es mache.
FAQ zu Objektkunst aus Karton
Was ist Objektkunst aus Karton?
Objektkunst aus Karton ist eine plastische Kunstform, bei der Karton, Papier und andere einfache Materialien zu dreidimensionalen Kunstobjekten verarbeitet werden. Ich nutze dafür Pulpe oder Pappmaché und baue meine Figuren Schicht für Schicht auf.
Was ist Pulpe in der Kunst?
Pulpe ist ein Papierbrei, der aus eingeweichtem und zerkleinertem Papier oder Karton entsteht. In der Kunst lässt sich dieser Brei modellieren, auftragen, trocknen und anschließend bemalen.
Welche Materialien eignen sich für Pappmaché-Figuren?
Für Pappmaché-Figuren eignen sich Karton, Zeitungspapier, Kreppband, Papierbrei, alte Becher, Draht, Metallkörbe oder andere stabile Fundstücke. Wichtig ist ein tragfähiges Grundgerüst.
Warum spielt Olympe de Gouges in deiner Objektkunst eine Rolle?
Olympe de Gouges inspiriert mich, weil sie im 18. Jahrhundert mutig für Frauenrechte und politische Mitsprache eintrat. Ihre Geschichte verbinde ich in meiner Figur mit Symbolen wie Zylinder, Pastellkreiden und einer selbstbewussten Haltung.

