Nun ist sie fertig: die Frauenfigur aus Karton und selbst hergestellten Kartonfaserbrei. Sie trägt einen weiten Glockenrock, in dem ich Ölpastellkreiden eingearbeitet habe. Das Oberteil gestaltet ich als weiße Bluse mit einem orangefarbenen Umhang. Auf dem Kopf trägt sie einen großen dunkelblauen Hut. Ihr Kopf ist leicht angehoben. Der Gesichtsausdruck soll unbeugsamem Stolz ausdrücken. Sie ist ca. 50 cm groß.

Die Figur heißt „Olympe – Madame Widerstand“. Inspiriert hat mich Olympe de Gouges, eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin der Französischen Revolution.

Die Figur heißt „Olympe – Madame Widerstand“. Inspiriert hat mich Olympe de Gouges, eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin der Französischen Revolution.
Olympe – Madame Widerstand, Pulp-Art-Plastik aus Kartonfasermasse, Acrylfarbe und Ölpastellkreide, Martina Munz, 2026.

Als ich mich näher mit dieser Zeit und besonders mit den Frauen der Französischen Revolution beschäftigte, faszinierte mich immer wieder diese ungewöhnliche Frau.

Olympe de Gouges setzte sich für die Rechte der Frauen ein, war für die Abschaffung der Sklaverei und sagte öffentlich ihre Meinung. Ihre Geschichte inspirierte mich zu der Pulp-Art-Figur. Die Plastik ist kein historisches Porträt, auch keine Schönheit, sondern meine freie künstlerische Annäherung an eine Frau, die ihrer Zeit voraus war.

Wie Olympe de Gouges meine Pulp-Art-Figur inspirierte

Meine Figur zeigt nicht, wie Olympe de Gouges tatsächlich ausgesehen oder sich gekleidet hat. Sie ist meine eigene freie künstlerische Darstellung. Der große dunkle Hut steht für Selbstbewusstsein, Schutz und Widerstand. Olympe trägt ihn mit erhobenem Kopf. Ihre Haltung ist bestimmt.

Ihr Kleidungsstil der Gouges war geprägt von der Mode des 18. Jahrhunderts. Diese historische Kleidung wollte ich nicht genau nachbilden. Allerdings kam mir die Idee, den klassischen Glockenrock als stabilen Sockel für die Figur auszugestalten. Die breite, konische Form des Rockes bietet eine große Standfläche, die das Gewicht gut verteilt.

Eine Pulp-Art-Figur aus Kartonbrei und Acrylfarbe

Meine Pulp-Art-Figuren entstehen vor allem aus Karton, Papierfasern und selbst hergestellter Pulpe. Manchmal mische ich dem Karton- oder Papierbrei Acrylfarbe bei. 

Der Kartonbrei ist bewusst grob. Damit verleihe ich den Figuren eine raue Oberfläche, die ich nach dem Trocknen weiter ausarbeite und bemale.

Die Oberteile, Arme und Kopf der Gouges-Plastik formte ich zuerst mit Zeitungspapier und Kreppband. Wo es passt, verwende ich auch Materialien wie Joghurtbecher oder auch Tücher für die Formgebung. Mit Kreppband stabilisierte ich alles. Dann kreierte ich meine eigene Olympe-de-Gouges-Pulp-Art-Figur aus grobem Kartonbrei und arbeitete die Ölpastellkreiden in den noch feuchten Rock. Die Pastellkreiden symbolisieren ihre schriftstellerischen Fähigkeiten.

Wie aus Kartonbrei eine Figur entsteht: Pulp-Art

Unebenheiten, Risse und sichtbare Spuren des Materials habe ich bewusst erhalten. Sie geben der Figur ihre besondere Oberfläche.

Pulp-Art bedeutet für mich, aus einem alltäglichen Material eine neue Gestalt aufzubauen. Karton oder Altpapier werden verwandelt. Aus einzelnen Schichten wächst langsam eine Figur mit einem eigenen Charakter. Dabei bleibt das Material sichtbar.

Drei kleine Gouachebilder ergänzen die Pulp-Art-Figur

„Olympe – Madame Widerstand“ steht nicht allein. Zu ihr gehören auch drei kleine Gouachebilder auf Malplatten: „Madame Widerstand“, „Madame Überfluss“ und „Madame Federleicht“.

Mit Gewehr und Pistole und dem kleinen Herz malte ich ein kleines Bild von "Madame Widerstand".
Madame Widerstand: Mit Gewehr und Pistole und dem kleinen Herz wirkt sie kämpferisch und eigenwillig.

Auch diese Frauen tragen weite Röcke und auffällige Kopfbedeckungen. Sie erinnern auch ein wenig an das 18. Jahrhundert, sind aber keine historische Frauen. Doch ich gebe zu: „Madame Überfluss“ und „Madame Federleicht“ sind entstanden, als ich mich mit dem Leben der letzen Königin vor der französischen Revolution – Marie Antoinette – beschäftigte. Sie ist bekannt durch ihre pompöse und extravagante Mode. „Madame Widerstand“ ist intuitiv entstanden.

Die gelbe Robe und die turmhohe Kopfbedeckung erinnern mich an die opulente Mode der französischen Königin Marie Antoinette. Gouache auf Malplatte, jeweils 13 × 23 cm, 2026
Madame Überfluss: Die gelbe Robe und die turmhohe Kopfbedeckung erinnern mich an die opulente Mode der französischen Königin Marie Antoinette. Gouache auf Malplatte, jeweils 13 × 23 cm, 2026
Madame Federleicht: Sie wirkt wie eine Herrscherin aus einer grünen Traumwelt :-). Tatsächlich habe ich im Internet ein Bild von Maria Antoinette mit dieser Aufmachung entdeckt.
Madame Federleicht: Sie wirkt wie eine Herrscherin aus einer grünen Traumwelt :-). Tatsächlich habe ich im Internet ein Bild von Maria Antoinette mit dieser Aufmachung entdeckt. Ich malte es ab. Gouache auf Malplatte, jeweils 13 × 23 cm, 2026

Weil ich mich intensiv mit Olympe de Gouges und der Französischen Revolution beschäftigt habe, entstand eine spannende Verbindung aus Geschichte, Malerei und Objektkunst. Bei dieser Arbeit habe ich selbst unglaublich viel Neues gelernt.

Häufige Fragen zu „Olympe – Madame Widerstand“

Wer war Olympe de Gouges?

Olympe de Gouges war eine französische Schriftstellerin, Dramatikerin und politische Denkerin. Sie wurde 1748 als Marie Gouze geboren und setzte sich während der Französischen Revolution für Frauenrechte, soziale Reformen und gegen die Sklaverei ein.

Was forderte Olympe de Gouges in der „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“?

In ihrer Erklärung von 1791 verlangte sie für Frauen die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte wie für Männer. Dazu gehörten politische Mitsprache, der Zugang zu öffentlichen Ämtern, Eigentumsrechte und freie Meinungsäußerung.

Warum wurde Olympe de Gouges hingerichtet?

Olympe de Gouges wurde wegen ihrer politischen Veröffentlichungen verfolgt. Besonders das Plakat „Die drei Urnen“, in dem sie eine Abstimmung über die Staatsform Frankreichs forderte, brachte sie in Konflikt mit der revolutionären Regierung. Am 3. November 1793 wurde sie in Paris guillotiniert.

Warum ist mein Pulp-Art-Figur von Olympe de Gouges inspiriert?

Als ich mich mit der Französischen Revolution und den Frauen dieser Zeit beschäftigte, beeindruckten mich der Mut von Olympe de Gouges. Ihre Forderungen nach Freiheit, Gleichberechtigung und politischer Mitsprache gaben den Anstoß zu meiner Figur „Olympe – Madame Widerstand“.
Ich kreierte meine eigene Olympe-de-Gouges-Pulp-Art-Figur aus grobem Pulpebrei und Pastellkreiden.

Ist „Olympe – Madame Widerstand“ ein historisches Porträt?

Nein. Die Figur ist eine freie künstlerische Annäherung. Ihre Haltung und der große dunkelblaue Hut stehen sinnbildlich für Selbstbewusstsein, Schutz und Widerstand. Kleidung und Gestaltung erinnern an das 18. Jahrhundert, bilden es aber nicht historisch genau nach. Die eingearbeiteten Ölpastellkreiden in in den Glockenrock symbolisieren ihre schriftstellerischen Fähigkeiten.

Was ist Pulp-Art?

Pulp-Art bezeichnet künstlerische Arbeiten aus einer formbaren Faser- oder Papiermasse. Für meine Figur verwende ich selbst hergestellten Kartonfaserbrei, die ich Schicht für Schicht auftrage.

Welche Werke gehören zu „Olympe – Madame Widerstand“?

Zur großen Pulp-Art-Figur gehören drei kleine Gouachebilder auf Malplatten: „Madame Widerstand“, „Madame Überfluss“ und „Madame Federleicht“. Gemeinsam verbinden sie Malerei, Objektkunst und historische Anklänge.