Was passiert, wenn sich ein historischer Ort, zeitgenössische Kunst und über 150 Menschen begegnen? Genau das wurde im Rathaus Durlach sichtbar. Punkt 17:00 Uhr öffneten wir – Éva Balogh und Martina Munz – die schweren Holztore des Gewölbekellers und gaben den Blick frei auf die Ausstellung „Cartography of Dreams – Topographies of Imagination“. Innerhalb kurzer Zeit füllte sich der Raum mit den Gästen, die unserer Einladung zur Kunstausstellung folgten. Der historische Gewölbesaal des Rathauses in Durlach war ideal für eine Ausstellung, die innere Bilder, Traumlandschaften und eigene Gedankenräume in den Mittelpunkt stellt.


Gemeinschaft als Fundament der Ausstellung
Bereits am Vortag haben wir gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstler von Évas Malschule die Ausstellung aufgebaut. Über 60 Bilder mussten ihren Platz finden: Wie haben die Bilder ausgepackt und gemessen. Zudem diskutierten wir, welche Bilder wo aufgehängt werden. Nach sieben Stunden Arbeit haben wir es geschafft: Die weißen Wände des Gewölbesaals waren mit farbenfrohen Kunstwerken zu neuen Leben erweckt.

Ich spürte, wie viel Engagement in jedem einzelnen Schritt steckte. Das Miteinander, das konzentrierte Arbeiten und die gute Stimmung sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kunstausstellung.
Es gab auch einen besonderen Anlass zu feiern: Évas Malschule blickt auf 20 Jahre kreatives Schaffen zurück. Zwei Jahrzehnte, in denen sie Menschen ermutigt, sich malerisch auszudrücken und ihre eigene künstlerische Handschrift zu entwickeln.
Die Eröffnung: Live-Musik und Laudatio
Die Vernissage begann mit Live-Musik der Band „Fischers & Friends“. Mit Blues, Jazz und Soul entstand eine offene, einladende Atmosphäre, die den Raum akustisch füllte. Éva begrüßte die Gäste und ich hatte die wundervolle Aufgabe, die Ausstellung zu eröffnen.
Ein zentraler Moment des Abends war die Laudatio der Künstlerin Solveig Schaper. Für sie heißt, Kunst zu machen, sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen. „Kunst schmückt unser Leben, aber sie bringt uns auch zueinander, und sie bringt uns vor allem näher zu uns selbst.“
Kunst als Entdeckungsreise – Gedanken zur Ausstellung: Klicke auf den Link für die vollständige Laudatio.
Zwei künstlerische Positionen
Éva Balogh: Strukturen zwischen Natur und Intuition
Die Bilder von Éva zeichnen sich durch einen experimentellen Malstil aus. Sie kombiniert Acrylfarbe mit Metylan-Kleister und lässt bewusst Zufallsprozesse zu. Während des Trocknens verändert sich das Material, reißt auf, verdichtet sich und schafft so eigene Bildräume. Die Bilder erinnern an mystische Bäume und geheimnisvolle Landschaften.
Es sind keine Abbilder der Realität. Éva versteht ihre Werke als „innere Landkarten“, die emotionale Zustände sichtbar machen. Malerei lädt dazu ein, „Kolumbus für neue Kontinente in sich selbst“ zu werden: nicht im Sinne der Eroberung, sondern der Entdeckung. Für mich sind es Sehnsuchtsorte und Traumlandschaften, in denen so viel zu entdecken gibt.





Martina Munz: Zwischen Archäologie und Intuition
In meinen eigenen Werken verschmelzen archäologische Denkweise und künstlerischer Prozess miteinander. Die Leinwand ist für mich wie ein unberührtes Gelände, das ich nun erkunden möchte. Ich arbeite in Schichten, trage Farbe auf, übermale und kratze wieder frei. Schritt für Schritt entstehen Bildräume, die sich nicht planen lassen, sondern sich beim Malen entwickeln.
Diese Verbindung von Archäologie und Malerei hat die Künstlerin Solveig Schaper während eines Gespräches herausgefunden. Ja! So sehe ich das auch mittlerweile. Diese Erkenntnis gibt mir wieder neue Impulse für meine Malerei.
Die Suche nach dem Unsichtbaren, motivieren mich, die Formen und Strukturen wie Fundstücke aus einer verborgenen Tiefe hervorzuholen. Ich frage stets die Leinwand: Was willst du mir sagen?




LA ISLA CORONA – Kunst als verbindende Kraft
Im kleineren Teil des Gewölbekellers entdeckten die Gäste die vielfältige Bandbreite der Bilder der Künstlerinnen und Künstler, die in der Malschule von Éva dort regelmäßig arbeiten. Die Werke sind individuell, mutig und ausdrucksstark.
Ein besonderer Fokus lag auf dem Projekt „LA ISLA CORONA“, das während des Lockdowns im Jahr 2021 entstand. Die Kunstwerke verstehen sich als visuelle Botschaften der Hoffnung, die symbolisch an eine Insel gesendet wurden. Zum ersten Mal wurde dieses Projekt präsentiert und „Cartography of Dreams“ hat hierzu einen angemessenen Rahmen geboten.
Das Projekt ist ein Beispiel dafür, welche Rolle Kunst in Krisenzeiten einnehmen kann: Kunst schafft Verbindung, emotionale Stabilität und Hoffnung auf bessere Zeiten.
Ein Rundgang durch die Ausstellung (YouTube-Video)
Für alle, die nicht dabei sein konnten, habe ich einen digitalen Rundgang erstellt. Noch bevor die ersten Gäste eintreffen, liegt immer eine besondere Stimmung in der Luft: Die Live-Band probt im Hintergrund, letzte Vorbereitungen werden getroffen, Blumen werden arrangiert und der Sektempfang vorbereitet.
Du siehst unsere Werke im großen Saal und im kleine Saal präsentieren die Künstlerinnen und Künstler der Malschule ihre Kunstwerke.
Mein Fazit
„Cartography of Dreams – Topographies of Imagination“ verbindet für mich drei wichtige Themen:
- persönliche künstlerische Positionen zwischen Intuition und Spurensuche
- gemeinschaftliche Arbeit, die sich über 20 Jahre in der Malschule von Éva Balogh entwickelt hat
- nicht zuletzt in den gesellschaftlichen Themen, die uns alle berühren – wie Isolation und Hoffnung, die im Projekt „LA ISLA CORONA“ sichtbar werden
Kunst bietet zudem einen wertvollen Kommunikationsraum: Miteinander ins Gespräch kommen, eigene Erfahrungen reflektieren und neue Perspektiven entwickeln.
Danke an alle, die diese Ausstellung möglich gemacht haben – ein solches Wochenende entsteht nicht allein.
Wir danken auch Solveig Schaper für ihre wunderbare Laudatio. Ein ganz besonderer Dank geht auch an Inge, Britta und Angelika, die die Ausstellung mit Fotos und Videos festgehalten haben. Merci für das Reel, das Noel erstellte und auf Instagram geteilt hat.
Zu guter Letzt: Herzlichen Dank an die Redakteurin Jennifer Warzecha, die in der Zeitschrift „Grötzingen Aktuell“ einen guten Rückblick auf unsere Kunstausstellung gab.

