Suzanne Valadon war eine französische Malerin und Grafikerin, die sich ohne akademische Ausbildung einen eigenständigen künstlerischen Stil erarbeitete. In ihrem ehemaligen Atelier im Musée de Montmartre in Paris entdeckte ich 2022 eine von ihr bemalte Holzpalette mit Weinglas und Rose. Jahre später wurde aus dieser Erinnerung mein eigenes Acrylbild „Heute mal Suzanne“ – keine Kopie, sondern eine freie malerische Hommage.

Wie alles begann?

Manche Bilder bleiben jahrelang im Gedächtnis. So ging es mir mit einer Holzpalette von Suzanne Valadon. Ich entdeckte sie bei meinem Parisurlaub im November 2022 in ihrem ehemaligen Atelier im Musée de Montmartre in Paris. Auf der Palette hatte Valadon ein Weinglas mit einer weißen Rose gemalt. Es war ein kleines Bild auf einem Gegenstand – auf einer Palette, die normalerweise für Künstlerinnen und Künstler zum Arbeiten dient. Aber gerade das sprach mich sofort an.

Ich fotografierte die bemalte Palette damals, weil ich diese Idee und das Motiv nicht vergessen wollte. Lange blieb das Foto in meinem Archiv. Doch die Erinnerung an das Weinglas, die Rose und die sichtbaren Farbspuren auf dem Holz war immer noch da. Nun habe ich die Palette mit dem Motiv wieder hervorgeholt und auf meine eigene Weise „nachgemalt“. Auf einer Leinwand. Aus einer Entdeckung in dem Pariser Atelier entwickelte sich Jahre später ein eigener Malprozess in einem Atelier in Karlsruhe.

Warum empfehle ich das Atelier von Suzanne Valadon?

Das Musée de Montmartre liegt in der Rue Cortot Nr. 12 bis 14 im 18. Pariser Arrondissement, nur wenige Schritte vom Trubel rund um Sacré-Cœur entfernt. In der schmalen Seitengasse wird Montmartre dann plötzlich stiller.

Eingang des Musée de Montmartre in der Rue Cortot in Paris, ehemaliger Wohn- und Arbeitsort von Suzanne Valadon
Der Eingang des Musée de Montmartre in der 12 Rue Cortot: Auf den Spuren von Suzanne Valadon in Montmartre – hier begann meine lange Erinnerung an die bemalte Palette.

In diesem Haus lebten und arbeiteten verschiedene Künstlerinnen und Künstler. Suzanne Valadon zog 1912 gemeinsam mit ihrem Sohn Maurice Utrillo und ihrem damaligen Lebensgefährten, dem späteren Ehemann André Utter, in das Atelierhaus ein.

Das Atelier wurde anhand historischer Fotografien originalgetreu wieder hergestellt. Als ich die heutigen Wohn- und Atelierräume von Valadon besuchte, fühlte ich das frühere Künstlerleben.

Das berühmte Ateliergebäude von Suzanne Valadon befindet sich im ⁠Musée de Montmartre in der Rue Cortot 12 in Paris.
Das berühmte Ateliergebäude von Suzanne Valadon befindet sich im ⁠Musée de Montmartre in der Rue Cortot 12 in Paris.

Das Licht, die hohen Fenster, die Staffeleien, die Ölgemälden und die Alltagsgegenstände zeigen einen Ort, an dem Kunst und Leben eng miteinander verbunden sind. Wie bei mir zu Hause: Meine kleine Atelierecke liegt zwischen Wohnzimmer und Küche umgeben von den Dingen, die ich täglich nutze.

Wer war die Künstlerin Suzanne Valadon?

Suzanne Valadon wurde 1865 als Marie-Clémentine Valadon in dem kleinen Dorf Bessines-sur-Gartempe geboren. Ihre Mutter war Wäscherin, alleinerziehend und zog bald mit der kleinen Valadon in den Pariser Stadtteil Montmartre um. Schon mit elf Jahren verließ sie die Schule, nahm verschiedene Aushilfsarbeiten wie Blumenverkäuferin oder Näherin an und war auch als Trapezkünstlerin tätig. Doch ihre Karriere als Zirkusartistin endete bald nach einem Sturz vom Trapez.

Wie wurde sie Künstlerin? Eine akademische Kunstausbildung war für eine Frau aus einfachen Verhältnissen zu dieser Zeit kaum erreichbar. Mit 15 begann sie, ihren Lebensunterhalt als Künstlermodell zu verdienen. Zu dieser Zeit um 1880 gab es auf dem Montmartre-Hügel zahlreiche Maler und Bildhauer. Die Nachfrage nach jungen Frauen als Malmotiv war groß. Als Modell posierte sie unter anderem für Pierre-Auguste Renoir, Henri de Toulouse-Lautrec und Pierre Puvis de Chavannes. Mit knapp 18 Jahren kam ihr Sohn Maurice Utrillo zur Welt, der vorwiegend von ihrer Mutter versorgt wurde. Der spanische Kunstkritiker, Bühnenbildner, Maler und Ingenieur Miquel Utrillo erkannte 1891 die Vaterschaft für Maurice an. Suzanne war 26 Jahre alt.

Renoir-Gärten im Musée de Montmartre nahe Sacré-Cœur in Paris
Nur wenige Schritte von der Sacré-Cœur entfernt können Besucherinnen und Besucher die romantischen Renoir-Gärten des Musée de Montmartre genießen.

Während ihrer Modelltätigkeit beobachtete die junge Suzanne sehr genau, wie die Künstler arbeiteten. Sie begann, selbst zu zeichnen und zu malen. Sie entwickelte ihren eigen Kunststil. Autodidaktisch. Es sind zuerst realistische Darstellungen von Menschen, wiedergegeben mit einem kräftigen Strich und einer einzigen dunklen Konturlinie, die später auch in ihren Ölgemälden erschien.

Toulouse-Lautrec erkannte als Erster ihr außergewöhnliches Talent und vmachte sie mit Edgar Degas bekannt. Er förderte sie. 1894 stellte sie als erste Künstlerin in der Société Nationale des Beaux-Arts aus. Das war sehr ungewöhnlich für eine Frau, die weder aus einer wohlhabenden Familie kam noch eine Kunstakademie besucht hatte.

Ihr eigener Kunststil prägte sich früh aus. In ihren Aktdarstellungen, Landschaften, Porträts und Stillleben malt Valadon ausschließlich autodidaktisch.

Ihr Sohn Maurice Utrillo wurde später auch ein bekannter Maler. Suzanne Valadon starb am 7. April 1938 im Alter von 72 Jahren in Paris. Sie hinterließ etwa fünfhundert Gemälde und dreihundert Arbeiten auf Papier. Als Autodidaktin hatte sie sich zu keiner Zeit einer bestimmten künstlerischen Bewegung angeschlossen.

Welche Kunstwerke von Valadon sind besonders bekannt?

Eines der bekanntesten Gemälde war zum Beispiel die Paradiesszene „Adam und Eva“ (Öl auf Leinwand, 131 x 162 cm, 1909), in der sie sich selbst und ihren Geliebten als Akt in einer Landschaft darstellte. Das Werk gilt als mutig, weil Valadon darin einen männlichen Akt frontal zeigte – zu einer Zeit, in der vor allem männliche Künstler den weiblichen Körper malten. Damit sie das Bild ausstellen durfte, verpasste sie Adam eine Weinranke um die Lenden.

Das blaue Zimmer“ (Öl auf Leinwand, 90 x 116 cm, 1923): Auf einem blauweißen Sofa liegt entspannt eine dunkelhaarige Frau, bekleidet mit Pluderhose und Trägerhemdchen, eine Zigarette im Mund und am Fußende zwei Bücher. Auch hier zeigt Valadon ein anderes Frauenbild, das sich von der klassisch männlich dominierten Malerei abhob. Statt in einer exotischen Haltung zu posieren, liegt die Frau völlig entspannt auf dem blau-weißen Sofa. Ihre Kleidung ist leger, und sie raucht und liest Bücher. Sie wirkt selbstbestimmt und entspricht keinem Schönheitsideal, sondern wirkt authentisch.

Was kennzeichnet den Malstil von Suzanne Valadon?

Suzanne Valadons Bilder wirken auf mich kraftvoll und ausdrucksstark. Ihre Linien sind deutlich, die Farben oft intensiv und die Formen nicht perfekt. Sie malte ihre Motive nicht gefälliger, als sie waren. Gerade in ihren Porträts und Aktdarstellungen begegnen uns Menschen mit einer charakterlichen Ausstrahlung und Authentizität.

Die Farbflächen sind klar gesetzt, Konturen dürfen sichtbar bleiben, und trotzdem ist für mich das Bild stimmig.

Besonders die Stillleben sprechen mich an. Blumen, Gläser, Früchte oder Stoffe werden bei ihr nicht zur bloßen Dekoration. Jeder Gegenstand wirkt für sich. Ihre außergewöhnliche Beobachtungsgabe und ihre ehrliche Darstellungen sind für mich inspirierend.

Acrylbild von Martina Munz nach einer bemalten Palette von Suzanne Valadon mit Weinglas und Rose
Detail aus Martina Munz’ freier malerischer Interpretation nach einer bemalten Palette von Suzanne Valadon aus dem Jahr 1931, Acryl auf Leinwand – Ausschnitt, 2026: Weinglas, Rose und sichtbare Pinselspuren.

Vielleicht hat mich deshalb gerade die kleine Malerei auf der Palette so berührt: ein Weinglas und eine Rose – eigentlich ein schlichtes Motiv. Zusammen mit den Farbresten wurde daraus etwas Persönliches und Lebendiges.

Warum hat mich Valadons bemalte Palette so berührt?

Im Atelier bei Eva Balogh habe ich Valadons Motiv nicht einfach kopiert. Ich habe mich dem Bild malerisch angenähert. Nach meiner Einschätzung arbeitete Valadon auf der Palette mit Ölfarbe. Ich verwendete Acrylfarben. Schon dadurch verändert sich der Malprozess. Acryl trocknet schneller. Die Farbschichten müssen zügig übereinander gelegt werden, damit die Übergänge etwas fließend und Pinselstriche trotzdem deutlich erscheinen.

Martina Munz: "Heute mal Suzanne", freie malerische Interpretation nach einer bemalten Palette von Suzanne Valadon aus dem Jahr 1931, Acryl auf Leinwand - Ausschnitt, 2026.
Martina Munz: „Heute mal Suzanne“, freie malerische Interpretation nach einer bemalten Palette von Suzanne Valadon aus dem Jahr 1931, Acryl auf Leinwand – Ausschnitt, 2026.

Beim Malen fiel mir auf, dass an einigen Stellen von Valadons Bild die Ölfarbe rasch über den Untergrund gezogen wurde. Andere Partien sind offen, die Originalfarbe der Palette ist deutlich zu erkennen.

Das gefällt mir sehr, denn auch in meiner eigenen Malerei muss nicht jede Stelle vollständig ausgemalt sein. Ein Bild darf seine Entstehung zeigen. Es darf Schichten, Brüche und offene Flächen behalten.

Acrylmalerei im Atelier: freie künstlerische Annäherung an Suzanne Valadons Palettenmotiv
Martina Munz: „Heute mal Suzanne“, freie malerische Interpretation nach einer bemalten Palette von Suzanne Valadon aus dem Jahr 1931, Acryl auf Leinwand, 2026.

Meine Fassung ist deshalb keine möglichst genaue Reproduktion. Sie ist meine freie malerische Interpretation, entstanden aus einem Foto der bemalten Palette. Das Motiv stammt von ihr. Die neue malerische Ausführung, meine Farbentscheidungen und die Spuren meines eigenen Arbeitsprozesses stammen von mir.

Wie entstand mein Bild „Heute mal Suzanne“?

Es war ein heißer Sommertag im Juni 2026, als meine Freundinnen und ich zum Malen im Atelier von Eva Balogh trafen und zusammen die Idee entwickelten, bekannte Bilder von bestimmten Künstlerinnen oder Künstlern auf einem T-Shirt zu verewigen. Jede malt ein eigenes Bild als persönliche Hommage. Anschließend soll das Motiv auf ein T-Shirt gedruckt werden.

Auf meinem Shirt wird stehen: „Heute mal Suzanne“. Ich mag diesen Satz, weil er leicht und spielerisch klingt. Er bedeutet für mich nicht, dass ich mich als eine andere Künstlerin ausgebe. Im Gegenteil: Es geht darum, genau ein Bild zu beobachten und sich zu fragen: Was sehe ich in Valadons Bild? Was fasziniert mich daran? Und was geschieht, wenn ich mich mit meinen eigenen Farben und meiner eigenen Handschrift darauf einlasse?

Was habe ich durch die künstlerische Neuschöpfung eines Bildes gelernt?

Während ich an dem Palettenbild von Valadon arbeitete, dachte ich immer wieder an meinen Besuch im Musée de Montmartre. Damals stand ich in Valadons Atelier und fotografierte ihre Palette, weil mich dieses kleine Bild faszinierte. Jahre später stand ich im Atelier bei Eva vor meiner eigenen Leinwand. Dazwischen liegen Zeit, Orte und ein ganz anderes Künstlerleben – und dennoch entstand eine Verbindung.

Vielleicht ist das eine der schönsten Möglichkeiten, sich mit Kunstgeschichte zu beschäftigen: nicht nur Namen und Jahreszahlen zu kennen, sondern genau hinzusehen, Neues zu entdecken und selbst tätig zu werden. Beim Malen entdecke ich Dinge, die mir beim bloßen Betrachten entgangen wären – den Schwung einer Linie, eine offene Stelle, den Widerstand eines Materials oder eine ausdrucksstarke Farbkombination.

Mein Bild soll keine Suzanne Valadon sein. Es ist mein eigenes Bild, angestoßen von ihrer Malerei. Und vielleicht erzählt es genau davon: wie ein kleiner Fund in einem Pariser Atelier lange in Erinnerung bleibt, irgendwann wieder auftaucht und etwas Neues in Bewegung setzt. Heute also mal Suzanne – mit großer Bewunderung, aber mit meinem eigenen Pinsel und eigenen Farben.

Was erzählt dieser Artikel zusammengefasst?

Zusammenfassend erzählt dieser Artikel von meiner Begegnung mit Suzanne Valadon im Musée de Montmartre in Paris und davon, wie eine dort entdeckte bemalte Holzpalette mit Weinglas und weißer Rose Jahre später zu meinem eigenen Acrylbild „Heute mal Suzanne“ wurde. Im Mittelpunkt stehen Valadons kraftvolle Bildsprache, ihr Werdegang, ihr ehemaliges Atelier in Montmartre und mein persönlicher Malprozess als freie künstlerische Hommage. Mein Bild ist keine Kopie, sondern eine eigene Interpretation, entstanden aus Erinnerung, Beobachtung und der Freude daran, immer wieder Neues zu entdecken.


Häufige Fragen zu Suzanne Valadon und meiner Hommage

Wer war Suzanne Valadon?

Suzanne Valadon (1865–1938) war eine französische Malerin und Grafikerin. Sie arbeitete zunächst als Modell für bekannte Künstler, bevor sie sich mit einer kraftvollen, eigenständigen Bildsprache selbst als Künstlerin etablierte.

Wo befindet sich das Atelier von Suzanne Valadon?

Ihr ehemaliges Atelier-Apartment befindet sich im Musée de Montmartre in der Rue Cortot in Paris. Valadon lebte dort ab 1912 mit ihrem Sohn Maurice Utrillo und André Utter. Die heutige Einrichtung wurde anhand historischer Quellen rekonstruiert.

Welche Künstler kannte Suzanne Valadon in Montmartre?

Zu ihrem künstlerischen Umfeld gehörten unter anderem Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Henri de Toulouse-Lautrec und Pierre Puvis de Chavannes. Auch den Komponisten Erik Satie kannte sie persönlich und porträtierte ihn.

Was kennzeichnet den Malstil von Suzanne Valadon?

Typisch sind kräftige Konturen, intensive Farben, klar gesetzte Flächen und eine direkte Darstellung des menschlichen Körpers. Ihre Porträts, Akte und Stillleben wirken ausdrucksstark, ungeschönt und zugleich sehr atmosphärisch.

Wo habe ich Suzanne Valadons Palette gesehen?

Ich sah die bemalte Palette 2022 im ehemaligen Atelier von Suzanne Valadon im Musée de Montmartre in Paris und fotografierte sie dort als Erinnerung.

Was ist auf der bemalten Palette von Suzanne Valadon zu sehen?

Auf der Palette ist ein kleines Stillleben mit einem Weinglas und einer weißen Rose zu sehen. Gerade die Verbindung aus Malwerkzeug, Farbresten und Motiv machte das Objekt für mich besonders lebendig.

Habe ich die bemalte Palette von Suzanne Valadon kopiert?

Nein. Mein Acrylbild ist eine freie malerische Interpretation nach Valadons bemalter Palette von 1931. Das ursprüngliche Motiv mit Weinglas und Rose stammt von ihr. Meine Ausführung entstand mit eigenen Farbentscheidungen und meiner persönlichen malerischen Handschrift.

Warum habe ich Acryl statt Ölfarbe verwendet?

Acryl gehört zu meiner eigenen künstlerischen Praxis und trocknet wesentlich schneller als Ölfarbe. Dadurch entwickelte sich beim Malen ein anderer Arbeitsrhythmus. Meine Fassung wurde bewusst zu einer persönlichen Annäherung und nicht zu einer originalgetreuen Nachbildung.

Was bedeutet der Satz „Heute mal Suzanne“?

Der Satz gehört zu einem gemeinsamen T-Shirt-Projekt aus dem Atelier bei Eva. Vier Künstlerinnen beschäftigen sich jeweils mit einer künstlerischen Persönlichkeit, die sie besonders schätzen. „Heute mal Suzanne“ steht für meine spielerische und zugleich respektvolle Hommage an Suzanne Valadon.